Absicht des Autors
Auch bekannt als Intention, Autorenabsicht
Der Grund, aus dem jemand einen Text schreibt: was er beim Leser bewirken soll. Die drei wichtigsten Absichten sind überzeugen, informieren und unterhalten, und die meisten Texte führen mit einer.
Zwei Suchzettel für denselben Hund.
- Will unterhalten
- Biscuit ist auf Abenteuerreise! (Drei Witze folgen.)
- Will informieren
- HUND ENTLAUFEN. Brauner Terrier, rotes Halsband, Ulmenstraße.
In der Praxis
Die Absicht des Autors, in der Textanalyse meist Intention genannt, ist der Grund, aus dem jemand einen Text schreibt: was der Text beim Leser bewirken soll. Im englischsprachigen Unterricht lernt man dafür das Kürzel PIE: persuade, inform, entertain, also überzeugen, informieren, unterhalten. Im Deutschunterricht entspricht dem die Frage nach der Textfunktion: Ein Werbeplakat appelliert, eine Nachricht informiert, ein komischer Roman unterhält.
Die meisten echten Texte mischen Absichten, deshalb lautet die nützliche Frage, welche führt. Eine Naturdokumentation informiert, aber Musik und Cliffhanger sollen unterhalten, und die letzten Minuten über verschwindende Lebensräume sollen überzeugen. Fragt eine Aufgabe nach „der Intention des Autors“, will sie die wichtigste, belegt mit Einzelheiten aus dem Text.
Absicht ist nicht dasselbe wie Thema oder Kernaussage. Das Thema ist, worum es geht (Schulessen), die Kernaussage ist, was der Text darüber sagt (Schulessen ist gesünder als vor zehn Jahren), und die Absicht ist, was der Autor mit dieser Aussage erreichen will (Eltern informieren oder den Schulträger überzeugen, den neuen Speiseplan zu behalten).
Die Absicht des Autors in einer Szene über einen Aushang
EXT. WOHNSTRASSE - TAG
NOOR (12) tackert einen Zettel an einen Laternenmast. Ihr Bruder SAMI (15) liest ihn: ein Comic-Hund, drei Witze und, ganz klein gedruckt, „Biscuit ist weg.“
SAMI
Der ist lustig. Da ruft keiner an.
NOOR
Langweilige Zettel liest niemand.
SAMI
Die Leute müssen nicht lachen. Sie müssen wissen, wie sie aussieht und wen sie anrufen sollen.
Noor reißt den Zettel ab. Auf ein neues Blatt schreibt sie in großen Buchstaben: „HUND ENTLAUFEN. Brauner Terrier, rotes Halsband, zuletzt in der Ulmenstraße gesehen“, dazu die Telefonnummer ihrer Mutter.
Noor hat geschrieben, um zu unterhalten, obwohl ihre Absicht war, zu informieren und Fremde zum Handeln zu bringen. Samis Einwand ist ein Argument über die Absicht: Jede Entscheidung auf einem Aushang sollte dem dienen, was er leisten muss. Die neue Fassung lässt die Witze weg und beginnt mit den Fakten, die ein Leser braucht, und genau die stellt ein informierender Text an den Anfang.
Die Absicht in einer rhetorischen Analyse
In einer Redeanalyse, im englischen AP-Kurs wie in der deutschen Oberstufe, gehört die Absicht zur rhetorischen Situation, neben Redner, Publikum, Kontext und Anlass. Hier ist PIE zu grob. Eine starke Analyse nennt eine genaue Absicht mit einem Verb: mobilisieren, beruhigen, warnen, beschämen, umdeuten. „Lincoln wollte überzeugen“ trifft auf fast jede Rede zu; „Lincoln wollte den Krieg als Kampf um Gleichheit umdeuten“ ist eine These.
Verbinde jede rhetorische Entscheidung mit dieser Absicht. Statt Stilmittel aufzuzählen, erkläre, wie jedes das Publikum dorthin bewegt, wo der Redner es haben will. „Lincoln greift das ‚alle Menschen sind gleich geschaffen‘ der Unabhängigkeitserklärung auf, um ein gespaltenes Publikum daran zu erinnern, dass die Nation auf einem Versprechen gegründet ist, das sie nun halten muss“ verbindet Mittel, Publikum und Absicht in einem Satz.
Die eigene Absicht festlegen, bevor du schreibst
Wer schreibt, verheddert sich, wenn die Absicht unklar ist. Vervollständige vor dem Entwurf den Satz „Nach dem Lesen soll mein Leser …“. Wissen, glauben, handeln oder fühlen? Die Antwort entscheidet, was zuerst kommt, wie viele Belege du brauchst und welcher Ton passt. Ein Anschreiben, das ein Vorstellungsgespräch will, eine Geschichte, die ein Lachen will, und ein Bericht, der eine Entscheidung will, haben drei verschiedene Formen.
Drehbuchautoren stehen vor derselben Wahl, Szene für Szene. Eine Szene kann das Publikum über eine Tatsache informieren, es überzeugen, zu einer Figur zu halten, oder es mit einem Set-Piece unterhalten. Die besten Szenen tun mehr als eines davon, aber eine Szene, die nichts davon tut, ist bei der Überarbeitung meist die erste, die fliegt.
Häufige Fragen
Was ist die Absicht des Autors?
Die Absicht oder Intention des Autors ist der Grund, aus dem ein Text geschrieben wurde: was er beim Leser bewirken soll. Die drei wichtigsten Absichten sind überzeugen, informieren und unterhalten.
Welche drei Arten von Autorenabsicht gibt es?
Überzeugen, informieren und unterhalten, im Englischen als PIE gemerkt (persuade, inform, entertain). Manche Listen ergänzen erklären und beschreiben, die dem Informieren nahestehen.
Was ist ein Beispiel für die Absicht eines Autors?
Ein Leitartikel, der zur Zustimmung zu einer neuen Bibliotheksabgabe aufruft, will überzeugen. Eine Nachricht über das Abstimmungsergebnis will informieren.
Wie findet man die Absicht des Autors?
Frag, was der Text von dir will, wenn du fertig bist, und prüf dann seine Entscheidungen: Meinungen und Aufrufe überzeugen, Fakten und ein sachlicher Ton informieren, Figuren und Humor unterhalten.
Kann ein Text mehr als eine Absicht haben?
Ja, die meisten haben mehrere. Eine Dokumentation kann informieren, unterhalten und am Ende überzeugen. Fragt eine Aufgabe nach der Absicht, nenn die wichtigste und belege sie mit Einzelheiten.
Wofür steht PIE bei der Absicht des Autors?
Für persuade, inform, entertain: überzeugen, informieren, unterhalten. Das englische Kürzel ist eine Merkhilfe für die drei häufigsten Gründe, aus denen Autoren schreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Absicht und Kernaussage?
Die Kernaussage ist, was der Text über sein Thema sagt. Die Absicht ist, was der Autor mit dieser Aussage erreichen will, etwa Leser überzeugen oder informieren.