Sitcom
Auch bekannt als Situationskomödie
Eine Comedyserie über eine feste Gruppe von Figuren in einer wiederkehrenden Situation, etwa einer Familie, einem Arbeitsplatz oder einem Freundeskreis, mit einer neuen Zwangslage in jeder Folge. Gedreht wird mit mehreren Kameras vor Publikum oder mit einer Kamera wie ein Film.
In der Praxis
Eine Sitcom, kurz für Situationskomödie (englisch situation comedy), ist eine Comedyserie über eine feste Gruppe von Figuren in einer wiederkehrenden Situation: eine Familie, ein Arbeitsplatz, ein Freundeskreis, eine Wohnung. Jede Folge bringt diese Figuren in eine neue Zwangslage und holt ihre Lacher daraus, wie sie damit umgehen, und setzt sie am Ende meist wieder dort ab, wo sie angefangen haben, damit die nächste Folge das Ganze von vorn machen kann.
Die Situation ist der Motor. Die Prämisse einer Sitcom (eine Bar, in der jeder deinen Namen kennt, eine Papierfirma in Scranton, sechs Freunde in New York) erschafft eine Welt aus Menschen, die nicht so leicht voneinander loskommen. Konflikte entstehen daraus, wer sie sind, deshalb handeln die besten Sitcom-Witze von den Figuren und sind keine Einzeiler, die jeder sagen könnte.
Sitcoms begannen im Radio und kamen Ende der 1940er- und in den 1950er-Jahren ins Fernsehen. I Love Lucy (1951) gab das Muster für Jahrzehnte vor, indem die Serie mit mehreren Kameras vor einem Live-Publikum gedreht wurde. Heute teilt sich die Form in zwei Traditionen: Multi-Camera-Sitcoms wie Friends und The Big Bang Theory und Single-Camera-Sitcoms wie The Office und Parks and Recreation.
Ein Cold Open in einem kleinen Büro
INT. ZAHNARZTPRAXIS STRAHLELÄCHELN - EMPFANG - MORGEN
PRIYA (30er), die Praxismanagerin, klebt ein Schild an die Kaffeemaschine: „NUR FÜR PATIENTEN.“
DR. HAL KIMBALL (50er) kommt herein, liest es und füllt trotzdem seinen Becher.
PRIYA
Lesen kannst du.
HAL
Ich bin Patient. Ich hab ein Loch im Zahn. Seit 2009.
Er trinkt. Priya ergänzt das Schild um eine zweite Zeile: „DAS HEISST DICH, HAL.“
Das ist ein Cold Open, die kurze Szene vor dem Vorspann, mit der die meisten Sitcoms das Publikum ködern. Sie etabliert die Situation (eine kleine Zahnarztpraxis), die beiden Figuren und die Dynamik, die die Serie antreiben wird: Priya stellt Regeln auf, Hal findet Schlupflöcher. Nichts hier hängt von der Handlung ab. Der Witz würde in jeder Folge funktionieren, und genau das braucht eine Sitcom.
Was eine Sitcom ist
Eine Sitcom ist eine Comedyserie, die Folge für Folge zu denselben Figuren, Schauplätzen und Beziehungen zurückkehrt. Die „Situation“ in der Situationskomödie ist diese feste Anordnung: wer zusammen lebt oder arbeitet, was sie wollen und warum sie nicht voneinander loskommen.
Klassische Sitcoms sind episodisch. Jede Folge erzählt eine abgeschlossene Geschichte, und am Ende sind die Figuren wieder dort, wo sie angefangen haben, weshalb man klassische Sitcom-Folgen in fast beliebiger Reihenfolge sehen kann. Viele moderne Sitcoms fügen fortlaufende Handlungsstränge hinzu, etwa eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte oder die Laufbahn einer Figur, ohne die in sich geschlossene Folge aufzugeben.
Die meisten Sitcoms der großen US-Sender dauern ohne Werbung etwa 22 Minuten und füllen einen halbstündigen Sendeplatz. Bei Streaming-Sitcoms schwankt die Länge stärker, doch die halbe Stunde bleibt die Norm der Form.
Multi-Camera- und Single-Camera-Sitcoms
Eine Multi-Camera-Sitcom wird in wenigen festen Kulissen mit mehreren gleichzeitig laufenden Kameras gedreht, meist vor einem Studiopublikum, dessen Lachen Teil der Tonspur ist. I Love Lucy etablierte die Methode 1951: Der Kameramann Karl Freund leuchtete die Kulisse so aus, dass drei Filmkameras jede Szene gleichzeitig aufnehmen konnten. Cheers, Seinfeld, Friends und The Big Bang Theory folgten alle diesem Muster.
Eine Single-Camera-Sitcom wird wie ein Film gedreht, eine Einstellung nach der anderen, an Drehorten oder in Kulissen, ohne Publikum und ohne Lachkonserve. Das erlaubt schnellere Schnitte, mehr Schauplätze und visuelle Witze. The Office (die US-Fassung), Parks and Recreation, Arrested Development und Abbott Elementary sind Beispiele; der Mockumentary-Stil mehrerer von ihnen macht die Kamera selbst zum Teil der Komik.
Auch auf der Seite sehen die beiden Formen unterschiedlich aus. Multi-Camera-Drehbücher setzen den Dialog traditionell mit doppeltem Zeilenabstand, schreiben Regieanweisungen in Großbuchstaben und bezeichnen Szenen mit Buchstaben, weshalb sie viel länger sind als Single-Camera-Drehbücher für Folgen derselben Länge. Single-Camera-Drehbücher sehen aus wie gewöhnliche Drehbücher.
Wie eine Sitcom-Folge aufgebaut ist
Die meisten Folgen beginnen mit einem Cold Open, einer kurzen Szene vor dem Vorspann, die mit der Geschichte der Folge zusammenhängen kann oder auch nicht. Dann folgen zwei oder drei Akte, im US-Network-Fernsehen durch Werbepausen getrennt, und oft ein Tag, eine letzte kurze Szene während oder vor dem Abspann.
Eine typische Folge erzählt eine A-Handlung, den Haupthandlungsstrang, neben einer B-Handlung und manchmal einer C-Handlung für andere Figuren. Die Stränge hängen oft thematisch zusammen und können im Höhepunkt aufeinanderprallen, was zu den verlässlichen Vergnügen der Form gehört.
Die Form der Geschichte ist ein Problem, das eskaliert. Eine kleine Entscheidung oder Lüge führt zu einer Komplikation, die Komplikationen türmen sich auf, und der Höhepunkt treibt alles auf die Spitze, bevor die Figuren wieder an ihrem gewohnten Platz landen, manchmal um eine Erkenntnis reicher und oft auch nicht.
Beispiele für Sitcoms
Familien-Sitcoms: I Love Lucy, Die Simpsons, Alle lieben Raymond und Modern Family schöpfen ihre Komik aus dem Familienleben, aus den Konflikten, die entstehen, wenn man mit den Menschen zusammenlebt, die einen am besten kennen.
Arbeitsplatz-Sitcoms: Mary Tyler Moore, Cheers, The Office, Parks and Recreation, Brooklyn Nine-Nine und Abbott Elementary machen Kollegen zu einer Ersatzfamilie, eine Prämisse, die sich als eine der beständigsten der Form erwiesen hat.
Freunde und Mitbewohner: Seinfeld, Friends, How I Met Your Mother und The Big Bang Theory handeln von selbst gewählten Gruppen. Seinfeld wurde als „Serie über nichts“ berühmt, weil ihre Geschichten aus winzigen gesellschaftlichen Problemen entstanden statt aus Ereignissen.
Wie man eine Sitcom schreibt
Bau zuerst die Situation. Wähle einen Schauplatz, der eine Gruppe von Figuren zusammensperrt und ihnen jede Woche einen Grund gibt, aneinanderzugeraten. Frag dich, wovon die Serie unter den Witzen handelt: Bei vielen großen Sitcoms ist es eine Familie, ob durch Blut, Arbeit oder Freundschaft.
Schreib aus den Figuren heraus. Gib jeder Figur eine klare Sichtweise, einen Wunsch und eine Schwäche, die Ärger macht. Die besten Sitcom-Witze kann nur eine bestimmte Figur sagen, und die besten Geschichten beginnen mit einer Schwäche: der Lüge, die jemand nicht zugeben will, der Regel, die jemand einfach brechen muss.
Lerne das Format, für das du schreibst. Eine Spec-Folge einer bestehenden Serie sollte deren Aufbau und Seitenbild entsprechen, ob Multi-Camera oder Single-Camera. Für einen eigenen Pilotfilm etablierst du in einer einzigen Folge die Situation, jede Hauptfigur und die Art von Geschichte, die die Serie jede Woche erzählen wird.
Häufige Fragen
Was bedeutet Sitcom?
Sitcom ist die Kurzform von situation comedy, auf Deutsch Situationskomödie: eine Comedyserie über eine wiederkehrende Gruppe von Figuren in einer festen Situation, etwa einer Familie, einem Arbeitsplatz oder einem Freundeskreis, mit einer neuen komischen Zwangslage in jeder Folge.
Warum heißt es Sitcom?
Weil die Komik aus der Situation kommt: dieselben Figuren am selben Schauplatz, die jede Woche auf neue Probleme stoßen. „Sitcom“ ist eine Verkürzung von „situation comedy“, einem Begriff, der aus der Radiokomödie stammt.
Was war die erste Sitcom?
Situationskomödien entstanden in den 1920er- und 1930er-Jahren im Radio. Im Fernsehen werden oft Pinwright’s Progress (BBC, 1946) und Mary Kay and Johnny (1947) als erste genannt. I Love Lucy (1951) legte das Format fest, dem die meisten amerikanischen Sitcoms folgten.
Welche Sitcoms gehören zu den besten aller Zeiten?
Seinfeld, Cheers, Die Simpsons, The Office, Frasier, Friends, Arrested Development, Parks and Recreation und Fleabag stehen regelmäßig auf den Listen der Kritik. I Love Lucy und Mary Tyler Moore sind Klassiker, die die Form geprägt haben.
Was ist der Unterschied zwischen einer Multi-Camera- und einer Single-Camera-Sitcom?
Eine Multi-Camera-Sitcom wird in festen Kulissen mit mehreren Kameras gleichzeitig gedreht, meist vor einem Live-Publikum. Eine Single-Camera-Sitcom wird wie ein Film Einstellung für Einstellung gedreht, ohne Publikum und ohne Lachkonserve.
Wie lang ist eine Sitcom-Folge?
Die meisten Sitcoms der großen US-Sender dauern etwa 22 Minuten und füllen mit Werbung einen halbstündigen Sendeplatz. Ein Single-Camera-Drehbuch hat oft 30 bis 35 Seiten; ein Multi-Camera-Drehbuch mit doppelt gesetztem Dialog kann 45 bis 55 Seiten lang sein.
Was ist ein Cold Open in einer Sitcom?
Ein Cold Open ist eine kurze Szene, die vor dem Vorspann läuft. Sie ködert das Publikum mit einem Witz oder einer Ausgangslage und kann mit der Haupthandlung der Folge nichts zu tun haben.