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Erzählhandwerk

Novelle

Ein Prosawerk, länger als eine Kurzgeschichte und kürzer als ein Roman, im Englischen meist 17.500 bis 40.000 Wörter. Es folgt typischerweise einer Hauptfigur durch einen einzigen Handlungsstrang. Von Mäusen und Menschen und Der alte Mann und das Meer sind Novellen.

In der Praxis

Eine Novelle (englisch novella) ist ein Prosawerk, das länger als eine Kurzgeschichte und kürzer als ein Roman ist. Die meisten englischsprachigen Definitionen setzen sie zwischen etwa 17.500 und 40.000 englischen Wörtern an, rund 60 bis 150 gedruckte Seiten, wobei Verlage und Preise die Grenze unterschiedlich ziehen. Von Mäusen und Menschen, Der alte Mann und das Meer, Herz der Finsternis und Die Verwandlung sind allesamt Novellen.

Die Länge allein macht noch keine Novelle. Die Form folgt meist einer Hauptfigur oder einer kleinen Gruppe durch einen einzigen, verdichteten Handlungsstrang, ohne die Nebenhandlungen und vielen Perspektiven, die ein Roman tragen kann. Diese Konzentration gibt der Novelle ihre besondere Kraft: Sie hat Raum, eine Figur gründlich zu entwickeln, ist aber kurz genug, um in ein oder zwei Sitzungen gelesen zu werden, sodass die ganze Geschichte auf einmal im Kopf der Leserin bleibt.

Novellen haben eine besondere Beziehung zum Film. Weil ihre Länge ungefähr der Menge an Geschichte entspricht, die ein Spielfilm fassen kann, gehen viele berühmte Filme auf sie zurück: Die Verurteilten und Stand by Me auf Novellen von Stephen King, Frühstück bei Tiffany auf die von Truman Capote und Arrival auf Ted Chiangs „Geschichte deines Lebens“.

Der Anfang einer Novelle, für die Leinwand bearbeitet

Ein Leuchtturm in seinem letzten bewachten Winter

EXT. LEUCHTTURM AUF DER FELSENINSEL - ABENDDÄMMERUNG

Wind. Eine einzelne Möwe. ELSE (70er) steigt die eisernen Stufen hinauf, in jeder Hand einen Kanister Lampenöl, und rastet alle zehn Stufen.

In ihrer Manteltasche steckt ein gefalteter Brief. Wir sehen nur den Briefkopf: KÜSTENBEHÖRDE.

ELSE (V.O.)

Im Oktober sagten sie mir, bis zum Frühjahr werde das Licht automatisch laufen. Mir blieb ein Winter, und ich hatte vor, ihn richtig zu verbringen.

Sie erreicht den Laternenraum und reißt ein Streichholz an.

Mit diesem Anfang könnte eine Novelle beginnen oder der Film, der nach ihr entsteht. In wenigen Zeilen etabliert er eine einzige Figur, einen Ort, eine feste Zeitspanne (einen Winter) und eine klare Frage: Was wird sie damit anfangen? Diese Konzentration ist typisch für die Novelle, und deshalb lassen sich Novellen so gut zu Spielfilmen verarbeiten: Die Geschichte passt auf die Leinwand, ohne die Kürzungen, die ein langer Roman braucht.

Was eine Novelle ist

Eine Novelle ist ein mittellanges Erzählwerk. Sie hat mehr Raum als eine Kurzgeschichte, um Figur und Situation zu entwickeln, aber nicht die Weitläufigkeit eines Romans. Die meisten Novellen folgen einem zentralen Konflikt von Anfang bis Ende, oft über einen begrenzten Zeitraum und an wenigen Schauplätzen.

Das Wort ist italienisch: novella heißt „Neuigkeit“, und von ihm stammt auch das englische Wort novel für den Roman. Im Italien der Renaissance waren novelle kurze Erzählungen wie die in Giovanni Boccaccios Decamerone gesammelten. Im Deutschland des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Novelle zu einer anerkannten literarischen Gattung, meist um ein einziges außergewöhnliches Ereignis gebaut; Goethe nannte sie „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit“, und Theodor Storm nannte sie die Schwester des Dramas.

Im Englischen war die novella lange zwischen den Märkten eingeklemmt: zu lang für die meisten Zeitschriften, zu kurz, um sich als Buch zu verkaufen. Kleinverlage, E-Books und das Science-Fiction-Verlagswesen haben ihr zu einer Rückkehr verholfen, und viele Lesende suchen Novellen heute gerade deshalb, weil sie sich an einem Abend lesen lassen. Im Deutschen ist die Novelle, von Kleist über Storm bis Stefan Zweigs Schachnovelle, ohnehin eine feste Größe geblieben.

Wie lang ist eine Novelle?

Die meistzitierte Definition stammt von der Science Fiction and Fantasy Writers Association, deren Nebula Awards eine Novelle mit 17.500 bis 40.000 Wörtern ansetzen; gezählt werden dabei englische Wörter. Die Hugo Awards verwenden denselben Bereich. Darunter liegt die Novelette mit 7.500 bis 17.500 Wörtern, und eine Kurzgeschichte hat weniger als 7.500.

Andere Verlage und Wettbewerbe ziehen die Grenze anders, und manche zählen alles von 20.000 bis 50.000 Wörtern als Novelle. In Seiten gerechnet hat eine Novelle je nach Format meist zwischen etwa 60 und 150 gedruckte Seiten. Im deutschsprachigen Raum wird die Novelle ohnehin weniger über die Wortzahl bestimmt als über ihre Form.

Ist also ein Buch mit 100 Seiten eine Novelle? Meist ja: Bei den im Englischen üblichen 250 bis 300 Wörtern pro Seite sind 100 Seiten 25.000 bis 30.000 Wörter, also mitten im Bereich. Eine Geschichte von 30 Seiten mit etwa 8.000 bis 9.000 Wörtern steht einer Novelette oder einer langen Kurzgeschichte näher.

Novelle, Roman und Kurzgeschichte im Vergleich

Eine Kurzgeschichte fängt meist einen einzigen Moment, eine Begegnung oder einen Wendepunkt ein und kann vieles ungesagt lassen. Ein Roman kann vielen Figuren, Handlungssträngen und Jahren folgen. Die Novelle steht dazwischen: Sie kann zeigen, wie sich eine Figur mit der Zeit verändert, meist aber durch einen einzigen Handlungsstrang statt durch mehrere.

Das macht Novellen ungewöhnlich geschlossen. Die meisten haben eine einzige Perspektive, einen Hauptschauplatz und wenige oder gar keine Nebenhandlungen. Lesende empfinden eine Novelle oft als so intensiv wie eine Kurzgeschichte und so tief wie einen Roman, weshalb viele Schriftsteller sie für die anspruchsvollste Form halten.

Die Novelette ist die Stufe zwischen Kurzgeschichte und Novelle. Sie hat Raum für eine vollere Handlung als die meisten Kurzgeschichten, aber nicht für die ausgedehnte Entwicklung einer Novelle. Viele Lesende und Verlage verwenden die Wörter locker, deshalb zählt die Unterscheidung vor allem bei Preisen und Einsendungen an Zeitschriften.

Beispiele für Novellen

Klassiker: Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte (1843), Joseph Conrads Herz der Finsternis (1899), Franz Kafkas Die Verwandlung (1915), John Steinbecks Von Mäusen und Menschen (1937) und Ernest Hemingways Der alte Mann und das Meer (1952) gehören zu den meistgelesenen Novellen. Aus der deutschsprachigen Tradition kommen Kleists Michael Kohlhaas, Storms Der Schimmelreiter und Zweigs Schachnovelle hinzu.

Moderne Werke: Truman Capotes Frühstück bei Tiffany (1958), Ian McEwans Am Strand (2007) und Claire Keegans Kleine Dinge wie diese (2021) zeigen die Bandbreite der Form, vom Glamour New Yorks bis zum stillen irischen Moraldrama.

Genre und Film: Stephen Kings Frühling, Sommer, Herbst und Tod (1982) versammelt vier Novellen, von denen zwei zu Die Verurteilten und Stand by Me wurden. Ted Chiangs „Geschichte deines Lebens“, die den Nebula Award für die beste Novelle gewann, wurde zum Film Arrival (2016).

Novellen und das Drehbuch

Produzenten und Drehbuchautorinnen schätzen Novellen als Vorlage. Ein Spielfilmdrehbuch von etwa 90 bis 120 Seiten fasst ungefähr so viel Geschichte wie eine Novelle, sodass eine Adaption die ganze Erzählung bewahren kann, statt ganze Nebenhandlungen zu streichen, wie es die meisten Romanverfilmungen müssen.

Die Adaption muss trotzdem inneres Erleben in Handlung und Bild übersetzen. Novellen stützen sich oft auf die Stimme eines Erzählers oder die Gedanken einer Figur, also sucht das Drehbuch nach dem, was die Figur tut, was das Publikum sehen kann und welche Erzählsätze es wert sind, als Voice-over erhalten zu bleiben.

Eine Novelle zu schreiben kann Drehbuchautoren auch helfen, eine Geschichte zu entwickeln. Manche schreiben eine Idee zuerst als Prosa, um das Innenleben der Figur und die Form der Geschichte zu finden, und übertragen sie dann in ein Drehbuch. Andere bearbeiten ihre eigenen Drehbücher zu Novellen, um Lesende zu erreichen, bevor der Film entsteht.

Häufige Fragen

Was gilt als Novelle?

Eine Novelle ist ein Erzählwerk, das in der Länge zwischen Kurzgeschichte und Roman liegt, im Englischen meist 17.500 bis 40.000 Wörter. Sie folgt typischerweise einer Hauptfigur und einem zentralen Konflikt, ohne die Nebenhandlungen eines Romans.

Ist ein Buch mit 100 Seiten eine Novelle?

Meistens ja. Ein Buch mit 100 Seiten hat etwa 25.000 bis 30.000 Wörter, und das liegt im üblichen Novellenbereich von 17.500 bis 40.000 englischen Wörtern.

Sind 30 Seiten eine Novelle?

In der Regel nicht. Dreißig Seiten sind etwa 8.000 bis 9.000 Wörter, und die meisten Definitionen würden das eine Novelette oder eine lange Kurzgeschichte nennen. Eine Novelle beginnt meist bei etwa 60 bis 70 Seiten.

Was ist die berühmteste Novelle?

Zu den bekanntesten gehören Eine Weihnachtsgeschichte, Herz der Finsternis, Die Verwandlung, Von Mäusen und Menschen und Der alte Mann und das Meer, im Deutschen auch Zweigs Schachnovelle und Storms Der Schimmelreiter. Jede lässt sich in einer Sitzung lesen und wurde vielfach adaptiert.

Was ist eine Novelette?

Eine Novelette ist ein Erzähltext, der länger als eine Kurzgeschichte, aber kürzer als eine Novelle ist, meist 7.500 bis 17.500 englische Wörter. Die Nebula und Hugo Awards haben eine eigene Kategorie dafür.

Was ist der Unterschied zwischen einem Roman und einer Novelle?

Länge und Umfang. Ein Roman hat meist mehr als 40.000 Wörter und kann viele Figuren und Nebenhandlungen tragen. Eine Novelle ist kürzer und konzentrierter und folgt typischerweise einer Hauptfigur durch einen Haupthandlungsstrang.

Woher kommt das Wort Novelle?

Vom italienischen novella, das „Neuigkeit“ bedeutet. Es bezeichnete zuerst kurze Erzählungen wie die in Boccaccios Decamerone und ist auch die Wurzel des englischen Worts novel für den Roman.