Kontrastfigur
Auch bekannt als Foil · Folie
Eine Figur, deren Gegensatz zu einer anderen, meist zum Protagonisten, deren Eigenschaften leichter erkennbar macht. Eine Kontrastfigur teilt oft die Lage der Hauptfigur und antwortet anders darauf, sodass sich jede Entscheidung der Hauptfigur gegen die der Kontrastfigur liest.
In der Praxis
Eine Kontrastfigur, im Englischen Foil genannt, ist eine Figur, deren Gegensatz zu einer anderen Figur, meist zum Protagonisten, deren Eigenschaften leichter erkennbar macht. Die beiden teilen oft eine Lage, ein Ziel oder eine Herkunft und unterscheiden sich darin, wie sie darauf reagieren, sodass das Publikum jede Entscheidung des Protagonisten gegen die der Kontrastfigur liest.
Eine Kontrastfigur muss kein Gegner sein. Der Antagonist stellt sich dem Ziel der Hauptfigur entgegen; eine Kontrastfigur spiegelt die Hauptfigur für das Publikum zurück und kann ein Freund, eine Partnerin, ein Rivale oder eine einmalige Zufallsbekanntschaft sein. Am nützlichsten sind Kontrastfiguren, die dem Protagonisten so nahe sind, dass der Unterschied zwischen ihnen wie eine Entscheidung wirkt und nicht wie eine Frage des Temperaments.
Prüfe bei der Überarbeitung, an welcher Figur die zentrale Eigenschaft deines Protagonisten gemessen wird. Ist die Hauptfigur leichtsinnig, wer ist vorsichtig? Weigert sie sich zu trauern, wer trauert offen? Setz die Kontrastfigur demselben Druck aus wie den Protagonisten und lass sie anders darauf antworten, dann steht das Thema auf der Leinwand, ohne dass es jemand ausspricht.
Eine Kontrastfigur in einer Szene
INT. FAMILIENRESTAURANT - KÜCHE - NACHT
Nach Feierabend. NICK (in den Dreißigern) zählt die Kasse. Sein jüngerer Bruder JOEY (in den Zwanzigern) lehnt an der Tür des Kühlraums und hält einen Umschlag voller Bargeld.
JOEY
Der Typ sagt, es ist eine einmalige Sache. Wir fahren einen Lieferwagen über die Bezirksgrenze, und keiner fragt, was drin ist.
NICK
Papa ist diesen Lieferwagen auch mal gefahren.
Joey lacht. Nick nicht. Er zählt weiter und kommt zweimal auf dieselbe Summe.
Beide Brüder haben dasselbe kriselnde Restaurant und denselben Vater. Joey greift nach der Abkürzung; Nick lehnt sie ab, ohne eine Rede zu halten. Jeder macht den anderen deutlicher, und das Publikum versteht Nicks Vorsicht und was sie ihn kostet durch den Bruder, der keine hat.
Woher das Wort stammt
Die literarische Bedeutung stammt aus der Goldschmiedekunst. Eine Folie war ein dünnes Metallblättchen, das hinter einen Edelstein gesetzt wurde, damit er funkelt, und Merriam-Webster führt diese Bedeutung noch heute neben der, die Schreibende verwenden: jemand oder etwas, das als Kontrast zu etwas anderem dient. Auch im Deutschen kann eine Figur jemandem als Folie dienen. Die Figur ist wie das Metall dazu da, etwas anderes heller strahlen zu lassen.
Shakespeare spielt im Hamlet mit dem Wort. Vor ihrem Duell sagt Hamlet zu Laertes: „I’ll be your foil, Laertes. In mine ignorance / Your skill shall, like a star i’ th’ darkest night, / Stick fiery off indeed.“ Neben seiner Ungeschicklichkeit soll die Kunst des Laertes wie ein Stern in dunkelster Nacht leuchten. Es ist ein Wortspiel mit dem Florett, das im Englischen ebenfalls foil heißt, und es trifft auch auf das Stück zu: Laertes, ein Sohn, der sofort handelt, um seinen Vater zu rächen, ist der Kontrast, der Hamlets Zögern sichtbar macht.
Was eine Kontrastfigur leistet
Sie zeigt eine Eigenschaft, statt sie zu behaupten. Eine vorsichtige Figur lässt sich allein schwer dramatisieren; neben einer leichtsinnigen wird jedes Zögern zur Entscheidung. Woody und Buzz in Toy Story sind so gebaut: Der eine weiß, dass er ein Spielzeug ist, und fürchtet, ersetzt zu werden, der andere ist sicher, dass er kein Spielzeug ist, und die Freundschaft stellt beide Überzeugungen auf die Probe.
Sie zeigt den Weg, der nicht gewählt wurde. In The Dark Knight ist Harvey Dent der öffentliche Held, der Batman nicht sein kann, und sein Fall zeigt, wovor Batmans Regeln ihn bewahren. Eine Kontrastfigur, die die Entscheidung trifft, die der Protagonist verweigert, lässt das Publikum die Folgen sehen, ohne dass die Hauptfigur sie erleben muss.
Kontrastfigur, Antagonist und Sidekick
Die Rollen überschneiden sich, aber sie beantworten verschiedene Fragen. Der Antagonist ist durch seinen Widerstand gegen das Ziel des Protagonisten bestimmt. Der Sidekick ist durch Loyalität und seine Funktion in der Handlung bestimmt. Die Kontrastfigur ist durch den Gegensatz bestimmt, und jede Figur, auch der Antagonist oder der Sidekick, kann diese Rolle übernehmen.
Ist der Antagonist zugleich eine Kontrastfigur, wird die Geschichte meist schärfer. Heat stellt einen Detective und einen Dieb gegeneinander, die nach demselben Kodex leben, und die berühmte Szene im Diner funktioniert, weil jeder der beiden Männer sich im anderen wiedererkennt. Der Kontrast macht ihren Konflikt persönlich statt bloß zu einer Frage der Ermittlung.
Eine Kontrastfigur schreiben
Fang mit dem an, was die beiden Figuren teilen. Eine gemeinsame Vergangenheit, ein gemeinsames Ziel oder dasselbe Dilemma macht den Vergleich fair, sodass sich der Unterschied als Charakter liest und nicht als Umstand. Laertes funktioniert als Kontrastfigur zu Hamlet, weil beide einen Vater verloren haben und beide zur Rache gerufen sind.
Gib der Kontrastfigur dann ein eigenes Leben. Eine Figur, die nur existiert, um die Hauptfigur gut aussehen zu lassen, wird zu einem Kunstgriff, den das Publikum durchschaut. Die stärksten Kontrastfiguren wollen etwas für sich selbst, und der Kontrast entsteht daraus, dass zwei Menschen ihre eigenen Ziele verfolgen.
Häufige Fragen
Was ist eine Kontrastfigur?
Eine Figur, die im Gegensatz zu einer anderen steht, meist zum Protagonisten, sodass das Publikum deren Eigenschaften klarer sieht. Kontrastfiguren teilen oft eine Lage mit dem Protagonisten und reagieren anders darauf.
Ist eine Kontrastfigur dasselbe wie ein Antagonist?
Nein. Ein Antagonist stellt sich dem Ziel des Protagonisten entgegen; eine Kontrastfigur bildet einen Gegensatz zu seinem Charakter. Ein Antagonist kann auch eine Kontrastfigur sein, aber ebenso ein Freund, ein Geschwister oder eine Partnerin.
Was ist ein Beispiel für eine Kontrastfigur im Film?
Woody und Buzz in Toy Story, Harvey Dent zu Batman in The Dark Knight und der Detective und der Dieb in Heat. Jedes Paar teilt etwas Wichtiges und geht auf entgegengesetzte Weise damit um.
Warum heißt sie im Englischen Foil?
Nach der Folie der Goldschmiede, einem dünnen Metallblättchen hinter einem Edelstein, das ihn funkeln lässt. Eine Kontrastfigur tut dasselbe für eine andere Figur: Durch den Gegensatz lässt sie deren Eigenschaften hervortreten.
Kann eine Figur mehr als eine Kontrastfigur haben?
Ja, und viele haben das. Hamlet hat Laertes und Fortinbras, zwei Söhne, die auf unterschiedliche Weise für ihre Väter Rache nehmen oder handeln, und jeder Kontrast zeigt eine andere Seite von Hamlets Zögern.
Muss eine Kontrastfigur das Gegenteil des Protagonisten sein?
Nein. Die nützlichsten Kontrastfiguren sind in den meisten Punkten ähnlich und in einem entscheidenden anders, was den Kontrast schärfer macht. Zwei Figuren, die sich in allem unterscheiden, geben dem Publikum nichts Bestimmtes zum Vergleichen.
Was ist eine komische Kontrastfigur?
Die ernste Figur in einem komischen Paar, deren ruhige oder wörtliche Reaktionen das Verhalten der anderen Figur lustiger machen. Merriam-Webster nennt als eigenes Beispiel für die Kontrastbedeutung jemanden, der „acted as a foil for a comedian“, also einem Komiker als Folie diente.
Wie schreibst du eine Kontrastfigur?
Gib der Kontrastfigur und dem Protagonisten etwas Gemeinsames, setz beide demselben Druck aus und lass sie unterschiedlich antworten. Gib der Kontrastfigur dann eigene Ziele, damit sie als Mensch wirkt und nicht als Kunstgriff.